Es fehlte noch, dass die Straßen der Maxvorstadt zu keiner abendlichen Zerstreuung mehr führten. Wo kämen wir da hin? Den Blick aufs leere Glas gerichtet, voll mit Erwartung, beziehen stille Herren an Nebentischen abgeklärt zu wechselnder Thematik Stellung. Das Viertel wird von fremden Frauen frequentiert. Ein angestochener Herr stellt sich mit Max vor. Er zahlt mir meine Zeche. Ich esse ihm sein Schnitzel.
R.M. Rilke. Sonette an Orpheus 29
Veröffentlicht in Lyrics am November 27, 2008 von campare50Stiller Freund der vielen Fernen, fühle,
wie dein Atem noch den Raum vermehrt.
Im Gebälk der finstren Glockenstühle
laß dich läuten. Das, was an dir zehrt
wird ein Starkes über dieser Nahrung.
Geh in der Verwandlung aus und ein,
Was ist deine leidendste Erfahrung?
Ist dir Trinken bitter, werde Wein.
Sei in dieser Nacht aus Übermaß
Zauberkraft am Kreuzweg deiner Sinne,
ihrer seltsamen Begegnung Sinn.
Und wenn dich das Irdische vergaß,
zu der stillen Erde sag: Ich rinne.
Zu dem raschen Wasser sprich: Ich bin.
Herren II
Veröffentlicht in Lyrics am Oktober 1, 2008 von campare50Wo ich jetzt bin, da sitzen auch noch andere Herren an Einzeltischen, vertieft in grundlose Lektüre, und spielen mit Gedanken. Gewiss war jeder dieser Herren, als er zur Welt kam, Impuls zu großer Freude für die Nachbarschaft. Wo ich jetzt bin, da liegt ein kleiner Platz, und über diesen schlendert, als wäre es durchaus üblich, ein völlig nacktes, nicht mehr ganz junges Weib. Wir Herren, soeben noch im Spiel mit den Gedanken, wir greifen, so als wären wir die Nackten, nach der Zeitung. Der Blick versenkt sich in das Glas, auf dem kein Schaum mehr liegt.
pinkwood